Differenzieren Sie die Verschlechterung des Gedächtnisleistung im Alter zu der Verbesserung in der Kindheit und Jugend. Welche Parallelen und Unterschiede gibt es?
Antwort
1. Verbesserung in der Kindheit und Jugend
Arbeitsgedächtnis und Langzeitgedächtnis
In der Kindheit und Jugend verbessert sich die Gedächtnisleistung aufgrund der Reifung des Gehirns stetig.
Der strukturelle Aufbau des Arbeitsgedächtnis ist bereits im Kindesalter wie bei Erwachsenen. (Michalczyk, Malstädt, Worgt, Könen, and Hasselhorn (2013). Es verbessert sich kontinuierlich und ist im frühen Erwachsenenalter vollständig entwickelt. Die Langzeitgedächtnisentwicklung nimmt graduell und stagniert bei 10-11 Jahren (Baddeley et al, 2020).
Nicht - Deklaratives Gedächtnis (unbewusste Erinnerungen und Fähigkeiten) entwickeln sich früher und sind später von altersbedingtem kognitivem Abbau betro en als deklarative Gedächtnisfähigkeiten (Baddeley et al, 2020).
Deklaratives Gedächtnis
Man beobachtet eine stetige Zunahme von deklarativem Wissen bis ins hohe Alter durch eine Zunahme des Vokabulars und des Wissens (Baddeley et al, 2020).
Neurologische Veränderungen
Schnelles Lernen und die Anpassung an neue Informationen wird in jungen Jahren durch Neuroplastizität geprägt.
Kognitiven Fähigkeiten werden gesteigert, Wissensbasis wird aufgebaut, Strategien und Metagedächtnis entwickeln sich.
Der Hippocampus und der präfrontale Kortex sind die wichtigsten Komponenten für das Arbeits- und Langzeitgedächtnis und entwickeln sich (Baddeley et al, 2020).
2. Die Verschlechterung der Gedächtnisleistung im Alter
Das Gehirn ist mit 25 Jahren fertig entwickelt, anschließend beginnt ein langsamer Abbau der unterschiedlichen Areale mit unterschiedlicher Progression (Baddeley et al, 2020)
Arbeitsgedächtnis verschlechtert sich stark über die Jahre vor allem wenn es darum geht, zwei oder mehr Aufgaben zu kombinieren. Die zentrale Exekutive sind besonders stark betro en.
Das Kurzzeitgedächtnis reagiert nach einer Meta-Analyse von Bopp und Verhaeghen (2005) weniger empfindlich auf das Altern als das Arbeitsgedächtnis, bei dem die Speicherung und Manipulationen kombiniert ist. Man beobachtet unterschiedliche Anfälligkeit, bei denen Satzspanne und Rückwärtsspanne besonders empfindlich sind (Baddeley et al, 2020).
May, Hasher und Kane (1999) vermuten, dass eine verringerte Fähigkeit, irrelevante Reize zu unterdrücken (Hemmung von irrelevanten Informationen) der Grund für den Rückgang der Satzspanne sein kann.
Die Aufgaben, die Verarbeitungsgeschwindigkeit oder das episodische Langzeitgedächtnis betre en, sind auch stark von der Alterung betro en (Baddeley et al, 2020).
Langzeitgedächtnis:
Das semantische Wissen nimmt zu (man lernt mehr über das Leben) vor allem beim Wortschatz, der mit zunehmendem Alter sich sogar noch leicht entwickelt (Giambra, Arenberg, Zonderman, & Kawas, 1995).
Auch das Wissen über historische Fakten nimmt mit zunehmendem Alter zu (Perlmuter, Schar , Karsh, & Monty, 1980), aber die Geschwindigkeit Daten abzurufen nimmt ab (Burke, MacKay, Worthley, & Wade, 1991).
Episodisches Gedächtnis ist früher von altersbedingtem kognitivem Abbau betro en als das semantische Gedächtnis. (Baddeley et al, 2020). Der Abbau beginnt schon ab 35 Jahren und zeigt eine stetige starke Verschlechterung über die Jahre.
Nach der Hypothese des assoziativen Defizits führt das Altern zu einer verminderten Fähigkeit, neue Assoziationen zu bilden und Informationen ins Gedächtnis zu konsolidieren (Baddeley et al, 2020).
Nicht-deklaratives Gedächtnis entwickelt sich früher und ist später von altersbedingtem Abbau betro en. Der Einfluss ist komplex. Man ist zuverlässig, dass die motorische Leistung mit zunehmendem Alter tendenziell abnimmt. Das ist auf eine Verringerung der Wahrnehmungs- und Bewegungsgeschwindigkeit zurückzuführen (Welford, 1985). Es wurde noch nicht ausreichend untersucht, ob die Lerngeschwindigkeit langsamer ist.
Das prospektive Gedächtnis nimmt auch ab.
Neurologische Veränderungen:
Mit dem Alter nimmt die Plastizität ab und das Gehirn schrumpf. Der Grund dafür ist eine verminderte Durchblutung des Gehirns und die verringerte Elastizität der Arterien
Das Dopaminlevel nimmt ab und hängt mit der Wahrnehmung zusammen.
Zusätzlich können Krankheiten die Leistung des Gedächtnisses weiter verschlechtern (Baddeley et al, 2020).
3. Parallelen zwischen Kindheit und Alter
Kinder und ältere Menschen nutzen verschiedenen Hilfsmittels wie Strukturierung und Notizen.
Kinder und ältere Menschen sind sehr stark gegenüber Stress reagieren, was die Gedächtnisleistung beeinflussen kann (Baddeley et al, 2020).
4. Unterschiede zwischen den Gedächtnisleistung von den Kindern und Erwachsenen
Während Kinder eine ansteigende Gedächtniskurve zeigen, erleben ältere Menschen einen kognitiven Abbau.
In der Kindheit sieht man eine parallele Entwicklung während im Alter differenzierte Abbau und Verschlechterung.
Der Rückgang ist anders als die Entwicklung: in der Kindheit gibt es eine parallele Entwicklung, während im Alter ein differenzierter Abbau stattfindet
Kindheit ist durch Wachstum und Vernetzung den Synapsen geprägt, während im Alter Abbau stattfindet.
Jugendliche entwickeln aktive Strategien zur Gedächtnisverbesserung, ältere Menschen nutzen Notizen, um den Abbau auszugleichen (Baddeley et al, 2020).
Schlussfolgerung
Gedächtnisleistung ist flexibel aber durch neurobiologische Bedingungen geprägt. Während Kinder und Jugendliche ihre Gedächtnisleistung durch Lernen und Strategien ausbauen, müssen ältere Menschen den natürlichen Abbau durch kompensatorische Strategien ausgleichen.
Literaturverzeichnis
Baddeley, A., Eysenck, M.W., & Anderson, M.C. (2020). Memory (3rd ed.). London und New York: Routledge., 472-496
Giambra, L. M., Arenberg, D., Zonderman, A. B., Kawas, C., & Costa, P. T., Jr. (1995). Adult life span changes in immediate visual memory and verbal intelligence. Psychology and Aging, 10(1), 123–139. https://doi.org/10.1037/0882-7974.10.1.123
Bopp, K.L., Verhaeghen, P., (2005) Aging and Verbal Memory Span: A Meta-Analysis. The Journals of Gerontology: Series B, Volume 60, P223–P233. https://doi.org/10.1093/geronb/60.5.P223
Welford, A. T. (1985). Practice e ects in relation to age: A review and a theory. Developmental Neuropsychology, 1(2), 173–190. https://doi.org/10.1080/87565648509540307
Michalczyk, K., Malstädt, N., Worgt, M., Könen, T., & Hasselhorn, M. (2013). Age di erences and measurement invariance of working memory in 5- to 12-year-old children. European Journal of Psychological Assessment, 29(3), 220–229. https://doi.org/10.1027/1015-5759/a000149
Bewertung
Auch wenn viele Veränderungen von Gedächtniskomponenten aufgelistet, werden diese isoliert beschrieben ohne miteinander in Bezug gesetzt zu werden. So fehlt leider eine Führung der Leserschaft innerhalb des Textes. Zudem ist es nicht möglich einzuschätzen, ob die Inhalte verstanden wurden.
Alle Aspekte müssen ausreichend und referenziert beschrieben werden. Einzelne Sätze sind als Überblick nicht ausreichend (“Das prospektive Gedächtnis nimmt auch ab.”).
Wenn Sie aktive Beispiele für Aufgaben wie die Rückwärtsspanne benutzen, sollten diese kurz erklärt werden.
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Note: 3.0