Grenzen Sie die verschiedenen Formen des kontext-abhängigen Gedächtnis voneinander ab. Nennen Sie die jeweiligen Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Kapitel 8
Gedächtnis
Kontextbhängiges Gedächtnis

Antwort

Laut Baddeley et al. (2020) können wir uns Informationen besser merken, wenn der Kontext oder die Umgebung beim Abruf der Information mit dem ursprünglichen Lernkontext übereinstimmt. Das heisst, wenn wir uns zum Beispiel im Moment des Abrufs einer Erinnerung in einer anderen Umgebung, anderen Stimmung oder in einem anderen Zustand befinden als beim Lernen der Information, kann dies den Abruf erschweren. Sie unterscheiden zwischen verschiedenen Arten kontextabhängigen Gedächtnissen: dem umgebungskontextabhängigen, stimmungskontextabhängigen, zustandskontextabhängigen und kognitivkontextabhängigen Gedächtnis. All diese Arten der kontextabhängigen Gedächtnisse haben die Gemeinsamkeit, dass eine Übereinstimmung zwischen dem Kontext beim Lernen einer Information und dem Kontext beim Abruf den Gedächtnisabruf erleichtern kann (Baddeley et al., 2020).

Umgebungskontextabhängiges Gedächtnis

Wer kennt nicht die Situation, in der man beispielsweise in einen Raum geht und, dort angekommen, vergessen hat, was man wollte. Zurück im vorherigen Raum kommt es dann einem oft wieder in den Sinn, was man ursprünglich wollte. Hier wirkt das umgebungskontextabhängige Gedächtnis (Baddeley et al., 2020). Ein Grundprinzip, das beschreibt, wann Menschen auf ihren Umweltkontext beim Erinnern reagieren, ist die Aufmerksamkeit, die sie beim Aufnehmen der Information auf ihre Umgebung richten (Baddeley et al., 2020). Wenn die Aufmerksamkeit eher nach innen gerichtet ist als auf die Umgebung, schwächen sich folglich solche Kontexteffekte. Zudem verstärken sie sich, je grösser die Zeitspanne zwischen dem Aufnehmen der Information und dem Abruf wird (Baddeley et al., 2020). Im Unterschied zu den anderen kontextabhängigen Gedächtnissen, bezieht sich das umgebungsabhängige Gedächtnis also nur auf den physischen Ort, also die Umgebung des Aufnehmens und des Abrufs einer Information.

Stimmungskontextabhängiges Gedächtnis

Das stimmungskontextabhängige Gedächtnis ist gemäss Baddeley et al. (2020) das Prinzip, dass Erinnerungen leichter abgerufen werden können, wenn deren emotionaler Ton mit der aktuellen Stimmung der Person übereinstimmt. So erinnert man sich in fröhlicher Stimmung leichter an positive Erlebnisse und in trauriger Stimmung eher an negative. Des Weiteren beschreiben Baddeley et al. (2020), dass unabhängig von den emotionalen Inhalten der Erinnerungen (positiv, negativ, neutral) die Übereinstimmung der Stimmung beim Speichern und beim späteren Abruf entscheidend dafür zu sein scheint, wie leicht die Erinnerungen abgerufen werden können. Im Unterschied zum umgebungskontextabhängigen Gedächtnis haben also beim stimmungskontextabhängigen Gedächtnis die äusseren Gegebenheiten keinen Einfluss, es geht lediglich um die innere Umgebung.

Zustandskontextabhängiges Gedächtnis

Zustandsabhängige Gedächtniseffekte treten auf, wenn sich der innere Zustand einer Person durch Substanzen wie Alkohol oder andere Drogen verändert (Baddeley et al., 2020). Ein klassisches Beispiel hierfür ist, dass starke Trinker oft nicht wissen, wo sie im betrunkenen Zustand Dinge hingelegt haben, bis sie wieder in denselben Zustand zurückkehren. Informationen, die im alkoholisierten Zustand gelernt wurden, können auch am besten in diesem Zustand wieder abgerufen werden, ähnliche Effekte zeigen sich bei Substanzen wie Lachgas, Marihuana und sogar Koffein (Baddeley et al., 2020). Wie auch das stimmungskontextabhängige Gedächtnis basiert das zustandskontextabhängige Gedächtnis auf einem inneren Zustand, beeinflusst aber das Gedächtnis über physiologische Parameter (Baddeley et al., 2020).

Kognitivkontextabhängiges Gedächtnis

Ein Beispiel für den Einfluss des kognitiven Kontexts zeigt sich in der Rolle der Sprache beim Erinnerungsabruf. In einer Studie von Viorica Marian und Ulric Neisser (2000, zitiert nach Baddeley et al., 2020) wurden russisch-englische Bilinguale gebeten, anhand von Stichwörtern Lebensgeschichten zu erzählen. Die Gespräche fanden teils auf Englisch und teils auf Russisch statt. Während der russischen Gesprächsabschnitte erinnerten sich die Teilnehmer zu 64 % an Erlebnisse aus russischsprachigen Kontexten, während dieser Anteil bei englischen Abschnitten auf nur 35 % sank. Für englische Erinnerungen ergab sich ein ähnliches Muster. Sowohl persönliche Erinnerungen als auch allgemeines Wissen können erstaunlicherweise durch die gerade gesprochene Sprache und die Sprache, in der man Informationen aufgenommen hat, schwerer oder leichter zugänglich werden (Baddeley et al., 2020). Das kognitiv kontextabhängige Gedächtnis bezieht sich also wie die anderen Formen auf einen bestimmten Kontext in dem etwas gelernt wurde, jedoch handelt es sich hierbei um einen gedanklichen oder sprachlichen und nicht um ein physischen oder emotionalen Kontext.

Literaturverzeichnis

Baddeley, A., Eysenck, M. W., & Anderson, M. C. (2020). Memory (3. Auflage). Routledge.

Bewertung

Bewertung durch das Modulteam

Der Text gibt eine gute Übersicht über die verschiedenen Formen des kontext-abhängigen Gedächtnisses. Allerdings sollte der Text stärker auf die Abgrenzung dieser Formen fokussieren und auch deren Unterschiede betonen. So zeigt sich etwa kein Effekt des umgebungsabhängigen Kontexts auf die Wiedererkennung aber ein Effekt des Zustandkontexts. Hier hätten mehr solche Unterschiede genannt werden müssen. Weiterhin müssten manche Aussagen ausführlicher erklärt werden. So sollte etwa klarer erläutert werden, was mit “nach innen gerichteter” Aufmerksamkeit gemeint ist.

Beachten Sie zudem die Regeln zur korrekten Referenzangabe im Literaturverzeichnis. Die Tiel der referenzierten Bücher oder Journals werden jeweils kursiv gesetzt. Weitere Informationen hierzu können Sie den APA-Richtlinien entnehmen.

Note: 4.75