Prospektives Gedächtnis
Warum ist dieses Thema spannend?
Prospektive Gedächtnisfehler können dramatische Folgen haben (vgl. Video).
Lernziele
- Sie wissen, was prospektives Gedächtnis ist und kennen die grundlegenden Paradigmen dazu.
- Sie wissen, welche Faktoren prospektives Gedächtnis beeinflussen.
- Sie kennen die gängigen Theorien im Feld der prospektiven Gedächtnisforschung.
Ressourcen
Buchkapitel
- Eysenck, M. W. (2025). Prospective memory. In A. Baddeley, M. W. Eysenck, & M. C. Anderson. Memory (4th ed.; pp 519-540). Routledge.
Präsentation
Podcast
Podcasts unter dieser Rubrik sollen einen einfachen Einstieg ins Thema vermitteln. Sie wurden mit künstlicher Intelligenz generiert. Sollten spezifische Inhalte dem Lehrbuch widersprechen, sind die Inhalte aus dem Lehrbuch als korrekt zu betrachten.
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- Prospektives Gedächtnis
- Prospektives Gedächtnis (optional)
Essayfrage
- Welche Arten von prospektivem Gedächtnis gibt es? Wie unterscheiden sich diese? [Musterlösung]
Erkenntnisgewinn
- Prospektives Gedächtnis bezeichnet die Fähigkeit in der Vergangenheit geplante Intentionen zum richtigen Zeitpunkt selbstinitiiert abzurufen. Prospektive Gedächtnisaufgaben sind in andere Aufgaben (d.h. laufenden Aufgaben) eingebettet. Man kann also Hinweise zur Ausführung prospektiver Gedächtnisaufgaben verpassen, ohne dies zu Bemerken. Es wird zwischen ereignisbasierten und zeitbasierten prospektiven Gedächtnis unterschieden. Bei ereignisbasiertem prospektiven Gedächtnis ist ein Ereignis der Hinweis, dass eine Intention abgerufen werden muss (z.B. der Einkaufsladen als Hinweis Milch und Brot zu kaufen). Bei zeitbasiertem prospektivem Gedächtnis ist ein zeitliches Ereignis der Hinweis eine Intention abzurufen (z.B. nach 40 Minuten das Brot aus dem Ofen zu nehmen). Prospektive Gedächtnisexperimente beinhalten normalerweise eine Baseline-Messung, ohne dass eine prospektive Gedächtnisinstruktion gegeben wurde. Danach folgt die Instruktion für die prospektive Gedächtnisaufgabe, gefolgt von einem Behaltensintervall. Darauf folgt die gleiche Aufgabe wie während der Baseline-Messung, diesmal aber mit eingebetteten Hinweisen für die prospektive Gedächtnisaufgabe. Es wird nicht mehr an die prospektive Gedächtnisaufgabe erinnert. Die Versuchspersonen müssen sich selbstinitiiert an die prospektive Gedächtnisaufgabe erinnern.
- Faktoren, welche die prospektive Gedächtnisleistung beeinflussen, sind: a) Die Spezifität der Hinweisreize. Je spezifischer der Hinweisreiz bei der Planung der Intention definiert wird, umso grösser die Wahrscheinlichkeit, dass die prospektive Intention zum richtigen Zeitpunkt selbstinitiiert abgerufen werden kann. b) Die Überlappung zwischen dem Hinweisreiz für die prospektive Aufgabe und die Reize der laufenden Aufgabe. Je grösser die Überlappung zwischen diesen Reizen um grösser die Wahrscheinlichkeit, dass die prospktive Gedächtnisintention abgerufen werden werden kann. c) Die Strategie, mit welcher die prospektiven Aufgaben angegangen werden. Eine aktive Suche nach prospektive Hinweisreizen erhöht den Erfolg bei prospektiven Gedächtnisaufgaben im Gegensatz zu einer spontanen Abrufstrategie. Allerdings ist die aktive Suche mit Kosten bei der laufenden Aufgabe verbunden. d) Eine grössere Arbeitsgedächtniskapazität ist mit besseren Leistungen bei prospektiven Aufgaben assoziiert. e) Eine höhere Gedächtnislast in Bezug auf die prospektiven Hinweisreize und die laufenden Aufgaben ist mit schlechteren Leistungen assoziiert.
- Das dynamische Multiprozess-Modell ist derzeit die gängigste Theorie im Bereich der prospektiven Gedächtnisforschung. Das Modell vereinigt die Prozesse eines spontanen Abrufs (spontaneous retrieval, extern gesteuert, bottom-up) mit denen einer aktiven Suchstrategie (monitoring, intern gesteuert, top-down) in einem dynamischen Modell. Dabei wechseln sich die beiden Prozesse je nach Situation ab. So kann z.B. ein entsprechender Hinweis, welcher mit dem prospektiven Hinweisreiz verwandt ist, eine spontane Erinnerung an die prospektive Gedächtnisaufgabe auslösen, was eine für einen begrenzten Zeitraum eine aktive Suchstrategie auslösen kann.