Kurzzeitgedächtnis
Warum ist dieses Thema spannend?
Wir können Informationen für den kurzfristigen Gebrauch speichern (z.B. Aktivierungscode der vom Telefon in ein Browserfenster auf dem Computer übertragen werden muss) oder langfristig speichern (z.B. Erlebnisse aus der Kindheit). Es gibt emprische Evidenz dafür, dass diesen beiden Funktionen unterschiedliche Speichersysteme zugrunde liegen (Kurzzeitgedächtnis versus Langzeitgedächtnis). Die Forschung zeigt zum Beispiel, dass das Kurzzeitgedächtnis auf einer phonologischen Ebene operiert, wohingegen das Langzeitgedächtnis auf einer semantischen Ebene operiert. In diesem Kapitel wollen wir uns die empirischen Befunde und die dadurch begründeten Theorien zum Kurzzeitgedächtnis genauer anschauen.
Lernziele
- Sie wissen, was das Kurzzeitgedächtnis ist und wie dieses üblicherweise untersucht wird.
- Sie wissen was verbales Kurzzeitgedächtnis ist, mit welchen Methoden dieses untersucht wird und kennen die wichtigsten Befunde dazu.
- Sie wissen was visuell-räumliches Kurzzeitgedächtnis ist, mit welchen Methoden dieses untersucht wird und kennen die wichtigsten Befunde dazu.
- Sie kennen den Unterschied zwischen Kurzzeitgedächtnis und Arbeitsgedächtnis.
Ressourcen
Buchkapitel
- Baddeley, A. (2025). Short-term memory. In A. Baddeley, M. W. Eysenck, & M. C. Anderson. Memory (4th ed.; pp 69-100). Routledge.
Präsentation
Podcast
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Essayfrage
- Was für Evidenz gibt es, dass es separate Speichersysteme für visuelle und räumliche Informationen gibt? [Musterlösung]
Experimente
Erkenntnisgewinn
- Das Kurzzeitgedächtnis bezieht sich auf das «einfache» Behalten von kleinen Informationseinheiten über eine kurze Zeitspanne. Das Kurzzeitgedächtnis wird üblicherweise mit Spannenmassen, bei denen sich Versuchspersonen die Reihenfolge der Elemente (z.B. Zahlen oder Buchstaben) merken und frei abrufen müssen, gemessen.
- Das verbale Kurzzeitgedächtnis wurde insbesondere durch Baddeley und Hitch -Baddeley & Hitch (1974) durch das Konzept der phonologischen Schleife geprägt. Diese basiert auf zwei Subkomponenten, der phonologischen Speicherung (“inneres Ohr”) und dem artikulatorischen Wiederholungsprozess (“innere Stimme”). Untersucht wird das verbale Kurzzeitgedächtnis typischerweise mittels Buchstaben- oder Wortspannen. Evidenz für die phonologische Schleife liefern Befunde wie der phonologische Ähnlichkeitseffekt, Wortlängeneffekt und Effekt irrelevanter Sprache und Klänge.
- Das visuell-räumliche Kurzzeitgedächtnis enthält zwei Aspekte: das «Wo» und das «Was». Um das visuelle und räumliche Gedächtnis zu untersuchen, wird für das räumlichen Kurzzeitgedächtnis typischerweise die Corsi Spanne verwendet und für das visuelle Kurzzeitgedächtnis die Musterspanne. Studien haben gezeigt, dass die Kapazität des visuellen Kurzzeitgedächtnisses etwa bei vier Elementen liegt.
- Das Gedächtnissystem, das für das Kurzzeitgedächtnis verantwortlich ist, bildet auch ein Teil des Arbeitsgedächtnisses. Jedoch wird der Begriff Arbeitsgedächtnis für ein System verwendet, welches nicht nur temporär kleine Informationsmengen speichert, sondern auch ermöglicht, diese zu manipulieren, was das Lösen komplexerer Aufgaben (z.B. logisches Denken, Lernen und Verstehen) erlaubt.